
Ein anderer Blickwinkel auf die Zuckersteuer
Deutschland im Oktober 2026: Im Gespräch und in den Medien ist die Zuckersteuer, und sie wird in einigen Dimensionen diskutiert - aber aus meiner Sicht nicht in allen. Man könnte argumentieren “nicht in den richtigen”, aber das wäre eine Bewertung. Daher gebe ich den butterbei.de-Zusatzaspekt rein, der der öffentlichen Diskussion bisher ferngeblieben ist. Vermutlich, weil dieses Thema wenig bekannt oder wenig populär ist.
Diskutierte Themen
Was ich über die Zuckersteuer üblicherweise sehe, sind Bemerkungen wie diese:
- schädliche Kalorienzufuhr und “leere Kalorien”
- Preissteigerung (manchmal: für arme Menschen)
Beides korrekte Themen. Zur Preissteigerung habe ich aus butterbei.de-Sicht nichts hinzuzufügen oder zu kommentieren, aber metabolisch gehen die “schädlichen Kalorien” am Ziel vorbei - beziehungsweise sie verfestigen das alte Denken, dass Kalorien alles sind. Wer hier schon lange mitliest, wird sich erinnern, dass ich diese Ansicht für wenig hilfreich halte.
Ansichten über den Nutzen von Kalorien
Kalorienbilanz: Ursache oder Wirkung?
Eine Einladung zur Umkehr der Kausalität: Warum es wenig hilfreich ist Gewichtsabnahme durch geringere Kalorienzufuhr zu erklären
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Wie schon im Artikel über die Kalorienbilanz bemerkt: Kohlenhydrate im Allgemeinen, und Zucker im Speziellen, haben Auswirkungen auf den Körper, die über den reinen Energiegehalt hinausgehen: Der Körper muss eine Menge hormonelle Arbeit leisten (via Insulin), um alles, was über die aktuell benötigte Menge (ein Teelöffel) hinausgeht, wieder aus dem Blut zu schaffen. Und das alles, während der Bedarf des Körpers nach Kohlenhydraten aus der Nahrung bei Null liegt.
Und da Insulin das dominante Hormon ist, lässt sich natürlich ein Querverweis zum Stoffwechselsimulator nicht vermeiden: Dort wird sichtbar, wie sich Insulin verhält. Zur Erinnerung: Wichtig ist nicht unbedingt die Höhe der (blauen) Kurve, sondern die Größe der Fläche unter der Kurve - und Zucker ist einer der Stoffe, die die Kurve verlässlich ansteigen lassen.
Man könnte Haushaltszucker noch zugutehalten, dass er zur Hälfte aus Glukose und zur anderen Hälfte aus Fruktose besteht - und damit pro Gramm weniger blutzuckersteigernd wirkt als Stärke. Allerdings hat Fruktose ihren ganz eigenen Stoffwechselpfad, mit dem klar wird, dass Kalorien tatsächlich unsere geringste Sorge sein sollten. Kalorien ließen sich woanders wieder einsparen. Die hormonellen Auswirkungen und ihre gesundheitlichen Folgen sind nicht so einfach zu kompensieren - wenn überhaupt.
Der Hauptgrund dafür, dass man Benzin und Öl nicht in die Landschaft kippen darf, ist schließlich auch nicht deren Feuergefährlichkeit (Brennwert), sondern die Schädlichkeit und Giftigkeit dieser Substanzen.
Wenn man sich dann noch einen scheinbaren Grund anschaut, der den massenhaften Einzug des Zuckers in die Ernährung im letzten Jahrhundert legitimiert hat, bleiben zumindest bei mir keine Zweifel übrig, dass es sich um eine gute Idee handelt, den Zuckerkonsum zu verringern. Über die absurden DGE -Ernährungsrichtlinien, die mehr Zucker als Fleisch pro Woche erlauben, müssen wir in diesem Zusammenhang nicht reden. Das habe ich an mehreren anderen Stellen, u.a. hier, schon genug getan.
Ob eine Zuckersteuer hilft und wozu sie führt, bleibt zu beobachten. Ich bleibe bei der Ansicht, dass Zucker nicht gesundheitsförderlich ist (im Gegenteil!), aber wir werden sehen, wie das Ergebnis ist. Sicher ist: Es wird sich ändern, was gemessen wird. Ich kann nicht beurteilen (bin aber skeptisch), was passiert, wenn Zucker durch billige Süßstoffe ersetzt wird. Aber das ist nicht Inhalt dieses Artikels.






