Da ich die Ernährungsempfehlungen der strikt ignoriere, und damit ausschließlich gute Erfahrungen gemacht habe, schaue ich mir die Empfehlungen und ihre Grundlagen in einer lockeren Artikelserie mal genauer an. Pro Kapitel nehme ich mir einzelne Punkte aus den verfügbaren DGE-Unterlagen und Studien vor. Heute die Basis:

Lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen […] sind Empfehlungen für eine gesunde Ernährung. Sie beruhen auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen und berücksichtigen die nationalen Gegebenheiten, wie beispielsweise gängige Ernährungsmuster.

Was die DGE für die Ernährung empfiehlt, beruht also auf Wissenschaft(1). Das ist schon mal gut. Wenn aber ich die Empfehlungen ignoriere: Lebe ich unwissenschaftlich? Glaube ich nicht an die Wissenschaft? Lehne ich Wissenschaft ab?

Die Aspekte und ihre Gewichtung

Um die Wissenschaft auf Relevanz zu untersuchen, schaue ich zunächst an, wie denn die Fragestellung war, die wissenschaftlich erforscht wurde.

Meine bei weitem wichtigste Erwartung ist, dass Ernährungsrichtlinien zunächst mal gesund sind, und dass es diese Gesundheit ist, die wissenschaftlich begründet wird.

Nun heißt es allerdings unter “Zielfunktion und Gewichtung der berücksichtigten Aspekte” (2)

Die drei Aspekte der Zielfunktion (Reduktion der Krankheitslast, Reduktion der Umweltlast, Nähe zum üblichen Verzehr) müssen gewichtet werden, sodass innerhalb des Lösungsraums, der durch die Nebenbedingungen definiert wird, verschiedene optimierte Verzehrmuster durch die Zielfunktion gewählt werden können…

Das heißt zunächst mal, dass “Gesundheit” nicht Ziel war, allenfalls “Reduktion der Krankheitslast”, und auch die nur als eine von drei Aspekten. Die Reduktion der Umweltlast schauen wir uns gleich noch separat an, aber was mich am meisten verblüfft hat, war der am stärksten berücksichtigte Aspekt:

…Ausgehend von dieser Erkenntnis hat die DGE-Arbeitsgruppe eine Gewichtung von 40% für den Aspekt Nähe zum üblichen Verzehr festgelegt

(Die anderen beiden Aspekte fließen zu je 30% ein)

Die Nähe zum üblichen Verzehr

Ich sag’ mal so: Wenn ich jemanden darum bitte, Ernährungsrichtlinien aufzustellen, dann würde ich nicht erwarten, dass das wichtigste Kriterium das ist, dass ich am wenigsten an meinen Gewohnheiten verändern muss.

Kompromisse kann man am Ende ja machen - die DGE veröffentlicht ja kein Rezeptbuch, mit der Pflicht zum exakten Nachkochen in der gegebenen Reihenfolge. Aber dazu müsste man wissen, was denn nun wirklich ratsam ist - und nicht was relativ nah an der gewohnten Ernährungsweise ist.

Der für die DGE wichtigste Aspekt ist also schon mal der - mit großem Abstand - unwichtigste für mich.

Reduktion von Krankheitslast

Ist es eine akademische Feinheit hier nicht einfach “Gesundheit” zu schreiben? Ich glaube nicht. Ich habe den Eindruck, dass Gesundheit nicht gemeint ist, sondern tatsächlich die Reduktion von Krankheiten im einen oder anderen Maße.

Ironischerweise weiß ich jetzt gar nicht mehr, für wen die DGE die Ernährungsrichtlinien überhaupt schreibt. Immerhin ist die Zielgruppe ja explizit (ich habe das bereits in einem anderen Artikel thematisiert)

Die Ernährungsempfehlungen der DGE gelten für gesunde Erwachsene in Deutschland im Alter von 18 – 65 Jahren, die sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel essen (Mischkost).

Was ich bereits zu dieser Zielgruppe gesagt habe

Die Zielgruppe sind gesunde Menschen, und eines der Ziele ist die Reduktion der Krankheitslast. Von gesunden Erwachsenen. Wenn ich das so lese, flog mein wichtigstes Ziel, die Gesundheit der empfohlenen Ernährungsweise, gerade hochkant zum Fenster raus: Die Krankheitslast der Zielgruppe kann ja - per Definition - nicht erheblich sein.

Reduktion der Umweltlast

Bleibt die Reduktion der Umweltlast. Für diese verweist die DGE hauptsächlich auf die Planetary Health Diet. Nur, dass diese einen sehr geschickt gewählten irreführenden Namen hat, denn sie betrachtet explizit nicht die Auswirkungen auf die Umwelt: Wie die Autoren im eigenen Glossar schreiben, wurden die Beschränkungen beim Fleischkonsum nicht anhand von Umweltkriterien errechnet, sondern rein über theoretische Gesundheitsmodelle hergeleitet.

Was ich bereits zur Planetary Health Diet gesagt habe

Ein Globus auf einem Tisch. davor ein Buch mit einer Spritze und einige Tabletten

Planetary Health Diet - Das große Missverständnis

Der eine Aspekt, der gern für die ‘Planetary Health Diet’ ins Feld geführt wird, ist ein Aspekt, den der dazugehörige Report explizit nicht betrachtet hat.

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Außerdem scheint mir die Planetary Health Diet auch sehr absolut zu sein und nur einen einzigen Ansatz zu dulden. Andere Forschungen (z.B. des im o.g. Artikel genannten Prof. Frank Mitloehner) weisen deutlich andere Lösungswege auf.

Alternative Lösung zur Reduktion der Umweltlast

Rinderherde auf der Weide, vor Bäumen. Ein weißes Tier vor einer ansonsten schwarzen Herde

Weidehaltung von Wiederkäuern

Rindern wird viel vorgeworfen - wie die Haltungsform das ins Gegenteil verändern kann

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Allerdings: Basierend auf den Ansprüchen der Planetary Health Diet (nämlich gut für die Gesundheit der Menschen zu sein), müsste so ja eigentlich wieder mein Anspruch aus dem vorherigen Absatz wieder einbezogen werden, oder? Oder?

Einwand: rettet die PHD nicht doch die Gesundheit?

Der Einwand liegt nahe, aber:

Es stellt sich nur heraus, dass die von der PHD geratene Ernährungsweise eben gerade nicht gesund ist. Nicht zuletzt, da sie an allen möglichen Stellen Supplementation oder Nahrungsmittelzusätze erwähnt - sie ist also anscheinend nicht vollständig - und wenn eine vorgeschlagene Ernährungsweise nicht ohne künstliche Anreicherungen und Supplemente auskommt, nenne ich sie “nicht gesund”.

Dazu kommt meine eigene Erfahrung, die mich erst zur Erstellung von butterbei.de gebracht hat: Die fast 14-jährige ketogene Ernährung, davon knapp 2 Jahre mit vernachlässigbaren Ballaststoffen, die alle meine Gesundheitswerte deutlich verbessert, und einige regelmäßig auftretende Symptome komplett eliminiert hat.

Weitere Hinweise: Die stets angeführte Ungesundheit von , die erstens wissenschaftlich nicht haltbar ist (3), und zweitens nach persönlichen Erfahrungen nicht nachvollziehbar ist.

Artikel über meine Erfahrungen mit gesättigten Fetten, Getreide und Ketose

Abbild der Netzhaut
Schau mir in die Augen...

Ein Blick nach innen: Was ich nicht messen kann - und warum ich mich für nicht schlau genug für eine vegane Ernährung halte

Nachstellung des bekannten 'Evolution des Menschen' Mems mit Silhouletten-Aufstellern, angeführt von einem echten Menschen, der auf sein Telefon schaut
Evolutionäre Assoziation Kapitel 6: Sauerteig

Warum modernes Turbo-Brot den Körper belastet - und wieso Lockdown-Sauerteig zufällig richtig lag: lange Fermentation verdaut vor, was der Darm nicht kann.

Ein Kind sitzt an einem Schreibtisch und malt; an der Wand darüber hängt eine Tafel mit der Kreideaufschrift 'We can do hard things'
Was ein Ernährungsdoc sich oder den PatientInnen zutraut

Was schwierig ist, ist ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt👍. Oder nicht wert, überhaupt auch nur in Betracht gezogen zu werden👎. Je nachdem…

Zwei Essstäbchen mit Zentimetermaß liegen auf einer kleinen Schüssel
Essen mit zwei Maßstäbchen: Beweislast beim Ernährungsdoc

Dr. Riedl erntet Lob und Tadel für eine Podcast-Folge: Weizenverzicht auch ohne Zöliakie👍, Doppelstandard bei Studien zur Ernährung👎.

Nachstellung des bekannten 'Evolution des Menschen' Mems mit Silhouletten-Aufstellern, angeführt von einem echten Menschen, der auf sein Telefon schaut
Evolutionäre Assoziation Kapitel 1: Zusammensetzung des Fettgewebes

Dein Hüftgold ist ein Ernährungstagebuch der letzten Jahre - und viele Einträge stammen aus der Fritteuse.

ein abstrakter klingelnder Wecker, nachgebildet aus Zwiebelringen, Champignons, Basilikumblättern und Salz
Food Noise

Die populäre Abnehmspritze verspricht die Verringerung von ‘Food Noise’ und hat Nebenwirkungen. Ketogene Ernährung kann das auch - und hat Nebeneffekte

Ein kleines Kind am unteren Ende einer sehr großen Steintreppe
Wer sollte den Ratschlägen hier folgen?

Eine Zusammenfassung von Artikel-Links auf dieser Site, für den themenbasierten einfachen Einstieg

Ein Hammer, der aussieht, als würde er gleich eine Glühbirne zerschlagen, daneben eine Kamera
Ernährungsratschläge als Werkzeugkasten

Warum ich den Werkzeugkasten der üblichen Ernährungsberatung für schlecht sortiert halte, und warum ein Hammer als Werkzeug eben nicht ausreicht…

Spiegelei und Bacon in einer Pfanne
Aber dein Cholesterin, dein Herz...

Wer über ketogene Ernährung hört, fragt sich häufig, ob so viel Fett gesund ist. Die Denkweise ist verbreitet, aber auch veraltet: Die Wissenschaft ist inzwischen weiter.

Von vorn aufgenommenes Foto eines Schwimmers beim Schmetterling-Schwimmen
Außer Atem? Iss halt was anderes!

Wenn Du schnell außer Atem kommst - oder einfach länger durchhalten willst - kannst Du mit der passenden Ernährung 30% länger durchhalten

Waagerecht liegendes Essbesteck: Oben ein Messer, unten eine Gabel. Dazwischen auf kleinen Buchstabensteinen die Worte 'KETO DIET'
Ernährungsdoc: Kognitive Dissonanz und Unkenntnis der ketogenen Ernährung

In einer Folge des Ernährungsdocs-Podcasts demonstriert der bekannteste Ernährungsmediziner Deutschlands schockierende Unkenntnis von und Einstellung zu ketogener Ernährung

Waagerecht liegendes Essbesteck: Oben ein Messer, unten eine Gabel. Dazwischen auf kleinen Buchstabensteinen die Worte 'KETO DIET'
Ketogene Diät - Abhandlung der Barmer

Die BARMER-Autorin hat gründlich recherchiert, gründlich zitiert – und dabei die Gegenargumentation gleich mitgeliefert. Man muss nur genau lesen.

Schild 'Bitte nicht füttern' mit Gans und Ente o.ä. als Illustration
Tiere bitte nicht füttern

Warum soll man eigentlich die Enten im Park oder die Tiere im Zoo nicht füttern? (und was wir davon lernen können)

Tankanzeige, bei der der größte Teil die rot gekennzeichnete Reserve ausmacht
Der bevorzugte Treibstoff

Die Präferenzen des Körpers: Welchen Treibstoff verbrennt der Körper am liebsten? (Die Antwort wird Dich verblüffen 😉)

Zwei Erntemaschinen auf einem Weizenfeld.
Getreide

Getreide gehört zu den Grundnahrungsmitteln, kaum jemand kann sich vorstellen ohne es auszukommen. Je nachdem, ob es ‘gegessen’ oder ‘verfüttert’ wird, werden ihm allerdings diametral gegensätzliche Eigenschaften zugeschrieben. Schrödingers Nahrungsmittel

Butter auf dem Tisch
Gesättigte Fette

Schrödinger hätte seinen Spaß mit den widersprüchlichen Aussagen zur Schädlichkeit und Nützlichkeit von gesättigten Fetten. Ich stehe dazu: ‘Alles ist besser mit Butter’

Butter auf dem Tisch
Ballaststoffe und gesättigte Fette

Das klassische Mantra “Ballaststoff == gut, gesättigte Fette == schlecht” widerspricht sich selbst (und was Butter ganz konkret damit zu tun hat)

Ein Mann in Badehose am Strand, schaut auf den Ozean. Von hinten fotografiert - wir schauen auch auf den Ozean
Sonnenbrand und UV

Verblüffende Erfahrungen nach der Umstellung auf ketogene Ernährung: Neuer Lichtschutzfaktor

Das Versprechen, dass ich mit ketogener und ballaststoffarmer Ernährung meine Gesundheit ruinieren würde, ist bisher nicht nur nicht eingetreten. Sondern das exakte Gegenteil davon.

Ich mag mich wiederholen, aber Richard Feynman hat es bereits gut formuliert:

“It doesn’t matter how beautiful your theory is, it doesn’t matter how smart you are. If it doesn’t agree with experiment, it’s wrong.”

― Richard P. Feynman

Was bleibt: Die Gewichtung der Ziele der Ernährungsrichtlinien

40% “Nähe zum üblichen Verzehr”

An allererster Stelle mit 40% Gewichtung steht der Wunsch, möglichst wenig ändern zu müssen. Man sieht das überall, wenn Lesende beruhigt werden, dass niemand ihnen ihr Dessert wegnehmen möchte. Da für mich aber nicht die Frage ist “Womit können die meisten gesunden Menschen durchkommen??”, sondern “Was ist eine gesunde Ernährung”, ist das für mich die komplett falsche Ausgangslage. Und mit 40% der am höchsten bewertete Aspekt.

30% “Reduktion der Krankheitslast”

Die Reduktion der Krankheitslast passt einfach nicht zur ausdrücklichen Zielgruppe der gesunden Bevölkerung, und ich halte sie - nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen - für eine Nicht-Aussage. Ich mag keine böswillige Absicht unterstellen, aber bei den üblichen sorgfältig formulierten wissenschaftlichen Arbeiten fällt der Widerspruch zwischen Zielsetzung und Zielgruppe schon ins Gewicht.

Selbst wenn ich diese wohlwollend als “Gesundheit” verbuche, sind mir 30% Anteil am Ergebnis nicht genug.

30% Reduktion der Umweltlast

Die letzten 30%, die auf Reduktion der Umweltlast entfallen, sind mir durchaus wichtig - im Kontext von Ernährungsempfehlungen jedoch als Sekundäraspekt, und nicht als Entscheidung für exakt einen Lösungsweg, der von vornherein vermeidet, Informationen über eine optimale Ernährung überhaupt erst herauszubekommen. Da es alternative Ansätze zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Einflüsse gibt, die auch bereits verfolgt werden, möchte ich diese gegen die optimale Gesundheit abgewogen sehen.

Ist das Wissenschaftsleugnung?

Nein: Die Wissenschaft, die die DGE nutzt, ist solide, auf Details werde ich in einem späteren Kapitel noch eingehen. Aber das ist nicht mein Punkt.

Wissenschaft erforscht ihr jeweiliges Gebiet im Rahmen von Zielvorgaben, und wägt gewisse Lösungsräume miteinander ab. Und es sind sowohl die Zielvorgaben als auch die gewählten und abgewogenen untersuchten Lösungsräume, mit denen ich nicht übereinstimme.

(weitere Aspekte in den nächsten Kapiteln)

Mehr Artikel über die DGE Empfehlungen

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Eine Pizza und eine Cola auf einem Tisch
Niemand will Dir Deine Pizza nehmen

Cola bestellen: normal. Butter statt Kartoffel bestellen: Rechtfertigungsdruck & Notrufnummer bereithalten. Wie die Weichspülung der Ernährungsrichtlinien zum gesellschaftlichen Konsens wurde.

Ein Brett mit diversem Gemüse und zwei Eiern
Wozu rät die DGE? Kapitel 2

Eine Sezierung der wissenschaftlichen Grundlagen der DGE-Richtlinien - denn obwohl ich sie ignoriere, will ich mir keine Wissenschaftsfeindlichkeit vorwerfen lassen.

Ein Globus auf einem Tisch. davor ein Buch mit einer Spritze und einige Tabletten
Planetary Health Diet - Das große Missverständnis

Der eine Aspekt, der gern für die ‘Planetary Health Diet’ ins Feld geführt wird, ist ein Aspekt, den der dazugehörige Report explizit nicht betrachtet hat.

Ein Brett mit diversem Gemüse und zwei Eiern
DGE-Empfehlungen. Ein Widerspruch?

Warum die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung meinen komplett anderslautenden Erfahrungen nicht widersprechen

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Die Präferenzen des Körpers: Welchen Treibstoff verbrennt der Körper am liebsten? (Die Antwort wird Dich verblüffen 😉)

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