Das Argument “Der Wasserverbrauch für Rindfleisch ist exorbitant hoch” (kurz zusammengefasst als “Für einen Burger wird eine Gazillion Liter Wasser verbraucht”) ist recht üblich - aber ist es auch stichhaltig?

Ein Rant - sehr kurzentschlossen, nicht abgeschlossen.

Regelmäßige Lesende hier werden festgestellt haben, dass ich vehement für Weidewirtschaft eintrete. In diesem Fall würde auch der durchschnittliche Regenfall auf eine Weide in die “Gazillionen Liter Wasser” eingehen(1). Dabei hätte es auf diese Weide geregnet, mit oder ohne Rind - aber ohne Rinder hätte die Weide eine deutlich geringere Biodiversität oder ökologische Wertigkeit. Es ist also wenig ehrlich, dieses Wasser mitzuzählen, zumal ein Rind dieses Wasser ja auch nur temporär nutzt, bevor es an gleicher Stelle wieder ausgeschieden wird.

Gras muss gelegentlich abgefressen werden, um Wurzeln korrekt auszubilden und sich zu erneuern. Diverse Insekten benötigen den Dung, den Rinder (und andere Wiederkäuer) hinterlassen, um ihre Eier abzulegen, als Nahrung für ihre Nachkommen.

Die Zahlen, die zählen

Aber was alle diese Argumente schlägt, ist eine Übersicht des Umweltbundesamts über die “Wasserressourcen und ihre Nutzung” (ich blicke auf die Version von 2022, während ich diesen Artikel schreibe):

Kreisdiagramm, das die im Text diskutierten Zahlen zeigt
Die UBA Grafik

Darin aufgeführt: Die gesamte Wasserentnahme des Jahres, zusammengesetzt aus Oberflächenwasser, Grundwasser etc. Diese Zahlen enthalten kein Regenwasser. Die Landwirtschaft (und zwar komplett, pflanzlich wie tierisch) “verbraucht"(2) demnach lediglich 2,5% des entnommenen Wassers, während die öffentliche Wasserversorgung, in der auch der Haushaltsverbrauch steckt, mit 29,8% des entnommenen Wassers zu Buche schlägt.

Mengenmäßig (rechnet man Ex- und Importe entsprechend ab und ein) ist Deutschland mehr als selbstversorgend (3) mit Rindfleisch(4) - das heißt die Wassernutzung für Rinderhaltung ist ein Anteil der landwirtschaftlichen Nutzung und damit geringer als 2,5% der Gesamtmenge.

Regen gilt nicht als Wasserentnahme, aber da der Regen eh fallen würde, und wir ihn auch nicht in den Wasserverbrauch für Straßenreinigung einrechnen, sehe ich das “virtuelle Wasser” im Burger - eben jene Gazillion Liter - als eine völlig unzulässige Vergleichsbasis.

Wenn die Landwirtschaft nur 2,5% des entnommenen Wassers ausmacht, und die tierische Landwirtschaft nur einen Anteil dessen, und die Haltung von Wiederkäuern wiederum nur einen Anteil davon, haben wir durchaus bessere Ansatzpunkte, den Wasserverbrauch zu verringern als bei der Produktion unserer Nahrung - noch dazu bei den nährstoffdichtesten bekannten Lebensmitteln.

Fazit

Es geht 12-mal so viel Wasser in die öffentliche Wasserversorgung wie in die Landwirtschaft. Wer sich um das Wasser im Burger sorgt, sollte zunächst die eigene Badewanne ausbauen, im Regen duschen und sich weniger um das nicht-produktive Grasland rund ums eigene Haus sorgen: Der Rasensprenger wird seltener hinterfragt.

Mit anderen Worten: Die Vergleichsgröße “eine Gazillion Liter” ist nicht wasserdicht: Es ist Gut, dass so viel Wasser in einen Burger geht, alles andere würde Dürre und Wüstenbildung bedeuten.

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Allan Savory: Was stimmt, was nicht

Im ersten Weidehaltungs-Artikel habe ich die Behandlung von Widerspruch gegenüber Allan Savory angekündigt. Und entgegen der Ankündigung ist es nicht einer, sondern zwei Widersprüche, die ich hier aufgreife

  1. Aber auch bei industrieller Tierhaltung kann ich keine anderen Quelle als Regen für eine solche Wassermenge identifizieren - das Argument steht dort also auch
  2. Ich schreibe “verbraucht” obwohl das Wasser ja tatsächlich hinterher immer noch zur Verfügung steht. Eine großzügige Wortwahl, aber letztlich gilt sie für nahezu jegliches Wasser, das nicht der Elektrolyse unterzogen wird.
  3. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Versorgungsbilanz Fleisch 2024
  4. Der Selbstversorgungsgrad ist eine reine Mengenbilanz des Endprodukts (erzeugtes vs. verbrauchtes Rindfleisch) und sagt nichts über die Herkunft des Futters. Das relativiert sich aber: Rund 90% der in Deutschland verfütterten Futtermittel stammen aus dem Inland; die Importlücke betrifft fast nur Eiweißfutter (Soja, Selbstversorgung ~30%), und dieses Soja geht überwiegend an Schweine und Geflügel. Wiederkäuer decken ihren Bedarf ganz überwiegend aus heimischem Grünland und - beim Eiweiß zunehmend - aus heimischem Rapsschrot, einem bei der Rapsöl-Herstellung anfallendem Nebenprodukt. (vgl. die Erwähnung von Presskuchen in Tierleid). Weiderinder brauchen ohnehin kein importiertes Kraftfutter. Aber selbst das importierte Soja wächst überwiegend im Regen. Quelle: Deutscher Bauernverband