
Überernährt und unterversorgt
Was wäre, wenn Hunger gar nicht das ist, wofür wir ihn halten - ein Signal, das wir einfach dämpfen oder überlisten müssen?
Die klassische Antwort lautet: Mehr Volumen! Unverdauliche Kohlenhydrate. Typischerweise unterschieden in lösliche und unlösliche. Landläufigen 'unverzichtbar', aber weder in der Literatur noch nach meinen Erfahrungen 'essenziell'. Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen sie vorteilhaft sein können. → mehr sollen den Magen füllen und ein Sättigungsgefühl vortäuschen. Dauerhaft geholfen hat das, soweit ich sehe, niemandem.
Vielleicht weil dieser Ansatz Hunger als Ursache der nächsten Mahlzeit behandelt. Ich möchte das umdrehen und rege an, die vorherige Mahlzeit als Ursache für den Hunger anzusehen. Hunger als Wirkung.
Ursache vs Wirkung
Nach einer Mahlzeit setzt irgendwann der Hunger wieder ein. Das kann mehrere Möglichkeiten haben - und es kann entweder früher oder später passieren: Wenn ich eine kohlenhydratreiche Mahlzeit esse, schießt der Blutzuckerspiegel in die Höhe. Sobald Hormon der Bauchspeicheldrüse, das Zellen signalisiert, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Zentrales Regulationshormon des Energiestoffwechsels. → mehr dann seine Arbeit macht, sinkt es wieder ab - üblicherweise aber sogar unter den vorherigen Ausgangswert. Wenn der Körper Unterzuckerung wahrnimmt, signalisiert er Gefahr und fordert Nachschub an. Zum Beispiel in Form von Hunger.
Wir können Hunger entweder als Anforderung zum “Treibstoff nachschieben” interpretieren, oder als Anforderung zum “Baustoffe nachschieben” verstehen. In der Ernährung und bei der Gewichtsabnahme wird gern mit Kalorien als Einheit gearbeitet. Da das eher ein Maß für Treibstoff (“Brennwert”) ist, lade ich zur Betrachtung der Alternative ein:

Der Körper hat in der Regel genug Treibstoff vorrätig. Das wissen viele von uns aus leidlicher Erfahrung und können es mit einem Griff an die eigene Hüfte überprüfen. Eigentlich kann es also kein Mangel an Treibstoff sein, der Hunger auslöst.
Das Schlüsselwort ist “eigentlich”: Der körpereigene Treibstoff ist recht gut verpackt. Solange der Insulinspiegel erhöht ist, kommt der Körper nicht an seine eigenen Reserven. Probier’ dazu gern die Simulation aus, und aktiviere die Fettverbrennungsebene im Diagramm, oder die Fettspeicherzone.
Die Alternative
Wenn also nicht der Treibstoff fehlt, wie wäre es mit Baustoffen? Was, wenn Hunger den Bedarf an Baustoffen signalisiert, wir aber stattdessen nur Treibstoffe einfüllen - oder andere Baustoffe, die gerade nicht benötigt werden?
Woher aber soll ich wissen, welche Baustoffe gerade fehlen? Auch diese Frage kann man andersherum beantworten: Welche Makronährstoffe zählen überhaupt zu Baustoffen? Welche sind Treibstoff? Sehr einfach zu beantworten ist: Kohlenhydrate (Stärke, Zucker) sind immer und ausschließlich Treibstoff, nie Baustoff. Bleiben die beiden anderen Makronährstoffe übrig - und das deckt meine Erfahrung: Wenn ich mich bei Hunger ausschließlich an Proteine und Fette halte, verschwindet der Hunger, nachhaltig. Gleichzeitig bleibt die Insulinausschüttung moderat, und der Körper kommt auch weiterhin an seine eigenen Fettreserven. Treibstoff ist also nicht nur genug vorhanden, sondern auch verfügbar.
Überernährt aber unterversorgt?
Hunger ist legitim. Der Körper verlangt von uns zu essen. Wenn wir dem Körper aber die Baustoffe vorenthalten, die er braucht, und stattdessen überwiegend Treibstoffe nachfüllen, muss der Körper halt noch mehr Hunger generieren, damit er unter all diesem Brennmaterial dann auch das benötigte Baumaterial findet. Es hilft nicht, dass landläufige Ernährungsberatung dazu rät, mehr als die Hälfte der Nahrung in Kohlenhydraten zu uns zu nehmen und damit den Insulinspiegel in die Höhe zu treiben.
Und das ist der Grund, warum wir trotz eines Kalorienüberschusses durchaus unterversorgt und legitim hungrig sein können.
Zwar essen wir, weil wir Hunger haben, aber wir haben Hunger, weil wir so essen wie wir essen.
Essen macht satt. Das falsche Essen macht den frühen Hunger.






