
Schau mir in die Augen...
Der Anriss für diesen Artikel lautet Warum ich mich für nicht schlau genug für eine vegane Ernährung halte, und bevor das in einen falschen Hals gerät starte ich lieber gleich mit einer Erklärung:
Die DGE zu tierischen Lebensmitteln und veganer Ernährung
Vegane Ernährung - manchmal “plant based” genannt - wird gefühlt immer häufiger als die anzustrebende Ernährungsform gehandelt. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Überwiegend öffentlich finanzierte NGO, staatlich beauftragte Ernährungsinstanz empfiehlt schweren Herzens die <sarkasmus>scheinbar massive</sarkasmus> Obergrenze von maximal 300 g Fleisch pro Woche, möchte den Anteil tierischer Lebensmittel auf 25% begrenzt sehen, aber stellt andererseits bei jeder Erwähnung von Fleisch dessen Vorzüge (Nährstoffgehalt und -verfügbarkeit) heraus:
Fleisch ist eine Quelle für gut verfügbares Eiweiß, zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Eisen, Selen und Zink sind aus Fleisch besonders gut verfügbar. Nur tierische Lebensmittel enthalten in nennenswerten Mengen verfügbares Vitamin B12. Wer wenig oder gar keine tierischen Lebensmittel isst, muss darauf achten, Vitamin B12 zusätzlich einzunehmen.
(Aus den DGE-Empfehlungen für Fleisch und Wurst)
Ferner bietet die DGE Hinweise für die vegane Ernährung und weist deutlich darauf hin, dass die Unterstützung seitens der pharmazeutischen Industrie (meine Worte) beziehungsweise Supplementation von Vitamin B12 strikt notwendig ist. Interessanterweise wird in den generellen Richtlinien keine spezifische Aussage über die anderen erwähnten Nährstoffe, “gut verfügbares Eiweiß, zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Eisen, Selen und Zink” gemacht, die alternativ dann halt aus anderen Quellen kommen müssen. Auch bleibt im Dunkeln, woraus sich die erwähnten zahlreichen Vitamine und Mineralstoffe zusammensetzen sind, und ob man sich auch um diese kümmern müsste.
Auch die Spezifikation von “wenig tierischen Lebensmitteln” bleibt als Übung für die Bevölkerung. Ich jedenfalls halte 42 g pro Tag (300 g pro Woche) durchaus für eine geringe Menge, auch wenn dann noch 8,5 g Ei pro Tag dazu kommen (1 Ei, 60 g pro Woche). Wir haben ja bereits gelernt, was alles als Milchprodukt zählt - von dort erwarte ich nicht allzu viel Bedarfsdeckung.
Mit anderen Worten: Von B12 wissen wir - damit können wir umgehen. Was aber sonst noch fehlt: Viel Glück…
Besuch bei der Augenärztin
Ich bin kurzsichtig - bei meinem letzten Besuch bei meiner Augenärztin hat sie eine Augenhintergrunduntersuchung gemacht, und die Makula genau betrachtet. Diese hat sich seit der vorherigen Untersuchung leicht gebessert. Nach ihrer Äußerung dazu habe ich bemerkt: “Ich führe das auf meine Ernährung zurück”, woraufhin sie erschrocken antwortete: “Hoffentlich nicht vegan?”.
Im folgenden Gespräch habe ich dann vom Hintergrund ihrer Frage erfahren:
Sie schaue vielen Menschen “tief in die Augen” - und sehe gelegentlich den Augenhintergrund von 20-jährigen Patientinnen (tatsächlich: meist Frauen) in einem Zustand, den sie bei 60-jährigen erwartet hätte. Ohne Ausnahme berichteten diese Patientinnen, dass sie sich seit langem, aus Überzeugung und gesundheitlichen Gründen, vegan ernähren.
Ich kenne die einzelnen Geschichten nicht, weiß nicht, was genau sie supplementieren. Aber wenn sogar eine Augenärztin einen Zusammenhang(1) zwischen dem Zustand der Augen und der Ernährung erkennt, bin ich selbst mehr als alarmiert.
Mit meinen Augen mache ich keine Experimente - vor allem nicht, wenn ich Gefahr laufe bei Nachlassen des Augenlichts gesagt zu bekommen, dass ich zwar B12 vorbildlich supplementiert habe, aber ein anderes Vitamin, ein Mineralstoff oder ein sonstiger noch unbekannter Baustoff, den man automatisch aus tierischen Lebensmitteln bekommt, leider fehlte.
Noch ein Problem für die Netzhaut
Eine dabei passende parallele Erkenntnis - allerdings unabhängig von tierischer oder pflanzlicher Ernährung: Die häufigste Ursache für Erblindung im erwerbsfähigen Alter und in Industrieländern ist Diabetes - ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel. Nicht nur das glykierte Ein Protein, der rote Blutfarbstoff, der Sauerstoff an die roten Blutkörper bindet und in glykierter Form als HbA1c gemessen wird → mehr, das als HbA1c im Blutwert gemessen wird, reagiert mit Glukose(2) und wird dann irgendwann erneuert: Alle Zellen machen das, auch die in den Augen. Und dort können die Zellen nicht mal eben erneuert werden, wie das bei frei fließenden Zellen im Blut der Fall ist.
Auch das ist für mich eine weitere starke Motivation, eine ketogene Ernährung beizubehalten.
Wie immer ist der Blutzuckerspiegel im Simulator nachvollziehbar. In der Projektion eines Tagesplans über längere Zeit ist auch eine Einschätzung der Entwicklung des HbA1c-Wertes vorhanden. Dieser ergibt sich mathematisch aus der durchschnittlichen Höhe des Blutzuckerspiegels und der Zeit, in der er erhöht war, sowie der Lebenszeit der roten Blutkörperchen, die das Hämoglobin tragen. Generell gilt: Wenige kurze erhöhte Zeiten sind deutlich weniger bedenklich als dauerhaft erhöhte Werte.
Fazit
Während eine ketogene Ernährung - technisch gesehen - auch vegan funktioniert, habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich nicht absehen kann, welche exakten Nährstoffe (außer B12) ich supplementieren müsste, und in welcher Form. Tierische Fette enthalten lebensnotwendige (und bioverfügbare) fettlösliche Mikronährstoffe, die in pflanzlichen Fetten fehlen(3) - abgesehen davon, dass Pflanzen üblicherweise eher Kohlenhydrate als Energieträger mitbringen, was entweder die Pflanzenauswahl stark einschränkt oder Ketose verhindern würde. Und schließlich: Ich kenne das Verhalten der notwendigen Pflanzen und ihrer Antinährstoffe nicht, die gegebenenfalls die benötigten Nährstoffe von der Aufnahme blockieren würden.
Bei den Augen kommt beides zusammen: Was zu viel ist, kann ich messen - was fehlt, nicht. Den Blutzucker habe ich in der Hand, einen Nährstoffmangel bemerke ich erst, wenn es zu spät ist.
Dazu kommt noch mein eigenes, deutliches Problem mit Ballaststoffen.
Das sind bereits zwei grundverschiedene Körperteile, die über verschiedene Mechanismen sehr unangenehme Probleme mit verschiedenen Aspekten meiner Ernährung hervorbringen können - und schon eines davon ist es mir wert, von den üblichen Ernährungsrichtlinien massiv abzuweichen. Einmal, weil ich gewisse pflanzliche Stoffe meide (darum geht’s im verlinkten Artikel). Und einmal, weil ich befürchten muss, nicht genügend benötigte Nährstoffe aufzunehmen (dieser Artikel).
Mit anderen Worten: Für eine vegane Ernährung halte ich mich für nicht schlau genug. Mit Blick auf meine Augen und meinen Darm ist sie mir zu riskant.







