Eine amüsante Betrachtung einer Komponente der Nahrung, die mehr Spaß macht, wenn man sich die unterschiedlichen Namen in unterschiedlichen Sprachen anschaut.

Im Deutschen: “Sättigungsbeilage”, im englischen “the starch” (Die Stärke), “filler” (Füller), oder “side dish” (Beilage). Deutsch ein Versprechen, Englisch eine Beschreibung.

Das Versprechen

Kann “die Stärke” das (deutsche) Versprechen halten? Macht sie satt?

Analog zum Hunger müssen wir erst mal anschauen, welche Art von “satt” denn eigentlich gemeint ist. Ich unterscheide der Einfachheit halber nur zwei Arten: “voll” und “befriedigt”: So eine Stärkebeilage macht bestimmt voll - insbesondere, wenn es zu der Stärke noch eine Menge unverdauliche Kohlenhydrate gibt, vulgo Ballaststoffe. Das alles quillt auf, bindet Wasser, und gibt Volumen: Man ist damit schneller “voll”.

Die drei Arten von Hunger

Ein Hund starrt auf einen Kuchen

Hunger (im Plural)

Wir tun immer so, als gäbe es nur eine Art von Hunger - tatsächlich sind es drei, und die Ernährungsrichtlinien reden hauptsächlich von Nummer Vier.

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Bei der Befriedung des Hungers sieht das schon anders aus: Wir erinnern uns: Zu unterscheiden sind homöostatischer, hedonischer und konditionierter Hunger. “Sättigungsbeilagen” sind nicht das klassische Lebensmittel auf das man konditioniert wird, und Beilagen sind auch nicht das Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn man eine Belohnung sucht. Somit fallen hedonischer und konditionierter Hunger aus, bleibt der homöostatische Hunger: Dieser ist bestimmt für 90 Minuten gestillt - bis der Blutzucker nach Anstieg durch die Kohlenhydrate wieder unter den Ausgangswert zurückgefallen ist, und der Körper allein durch diese Unterzuckerung den nächsten Hunger signalisiert. Völlig gerechtfertigt übrigens: Dem Körper fehlt zu dieser Zeit Energie.

Ein Experiment

Ich mag ja das Experimentieren: Wie wäre es mal mit einem Gericht ohne Sättigungsbeilage, ohne Kohlenhydrate? Das kann ein Omelett mit reichlich Butter sein, ein fettes Steak, oder irgendwas anderes, was sowohl mit ausreichend Proteinen als auch Fett aufwartet(1).

Dieses Gericht in einer “All you can eat” Variante: Wir essen davon einfach immer mehr, bis wir nicht mehr können.

Wie schmeckt das?

Am Anfang: “Lecker!”, “Mehr davon”

Nach einer Weile: “Viel mehr geht nicht”

Noch etwas später: “Ich kann nicht mehr!”, “Das schmeckt gar nicht mehr so gut”

Und dieses “Ich kann nicht mehr!” ist vom Körper durchaus ernst gemeint: Wir haben es mit einer sehr kaloriendichten Mahlzeit zu tun, dem Gegenentwurf zu den üblichen Ernährungsrichtlinien, die sich bemühen uns mit geringer Kaloriendichte und hohem Volumen möglichst voll zu machen.

Dieses “Das schmeckt gar nicht mehr so gut” ist das lange verlernte Zeichen des Körpers, dass es jetzt reicht. Eine unübliche Definition von “satt”.

Und dieses Gefühl von “satt” hält durchaus auch lange an, verglichen mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit. Bei dieser sinkt der Blutzucker etwa 90 Minuten später unter den Ausgangspunkt und signalisiert: “Wir haben hier Energie-Notstand!!”. Auch bekannt als “Hunger” - legitim!

Wenn der Körper legitim Hunger signalisiert

einige Stapel leerer Teller

Überernährt und unterversorgt

Eine alternative Deutung des Hungers: Was, wenn wir nicht essen, weil wir Hunger haben, sondern Hunger haben weil wir essen (was wir essen)? Ein hilfreiches mentales Modell…

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Optionale (nicht ratsame) Fortsetzung des Experiments: Auch jetzt, wenn eigentlich nichts mehr geht: Ein süßes Dessert geht immer. Das demonstriert die Sabotagemöglichkeiten von Kohlenhydraten, in diesem Fall: Zucker.

Versprechen verfehlt

Die Sättigungsbeilage ist der einzige Teil des Tellers, der (im Deutschen) seinen Job schon im Namen trägt - und ihn am zuverlässigsten verfehlt.

In der englischen Sprache wird wenigstens das Versprechen gehalten, weil nur der dominante Makronährstoff genannt wird. Aber das macht es am Ende nicht besser.

Die Sättigungsbeilage outsourced den Kalorienbedarf an die billigste Zutat. Im Restaurant zahlen wir für das Protein, die Stärke gibt es dazu - und sie hilft, die teuren Zutaten begrenzen zu können. Praktisch, dass die billigen Zutaten auch allgemein in den Ernährungsrichtlinien ganz obenan stehen. Und das obwohl sie meist mit nur niedrigem Mikronährstoffgehalt kommen.

Das Experiment hat gezeigt, dass “satt” und “voll” zwei unterschiedliche Zustände sind, die aber gern miteinander verwechselt werden.

Was mich angeht: Welche Sättigungsbeilage zum Steak? Gern noch eins. Und Butter.

Ich möchte nicht, dass mein Essen mich füllt. Ich möchte, dass mein Essen mich nährt.

  1. Wer sich selbst auf pflanzliche Lebensmittel beschränkt, wird es etwas schwerer haben, natürliche Proteine ohne Kohlenhydrate zu finden. Aber vielleicht reicht das Vorstellungsvermögen aus? Vielleicht ist es das Experiment wert? Alternativ: Einfach im Simulator ausprobieren. Dort gibt es auch eine Kategorie für ketogene Lebensmittel, mit denen die Auswahl vermutlich am leichtesten fällt. Für das Experiment am besten die Beeren vermeiden.