Die EAT Lancet Planetary Health Diet (1) wird seit ihrer Veröffentlichung 2019 gern (auch von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Überwiegend öffentlich finanzierte NGO, staatlich beauftragte Ernährungsinstanz) unter einem besonderen Aspekt aufgeführt, nämlich der Unverzichtbarkeit dieser einen Ernährungsform, die die einzige ist, die dem Aspekt des “gesunden Planeten” (hergeleitet aus “Planetary Health”) gerecht wird.

Wenn man genau hinschaut (2), scheint das eine Fehlinformation zu sein, die in der Berichterstattung über diesen sehr geschickt benannten Report weit verbreitet ist. 2019 antwortete Fabrice DeClerck (der korrespondierende Autor) an Frank Mitlöhner:

…die von der Kommission vorgeschlagenen Obergrenzen für den Fleischkonsum wurden nicht aus Umweltgründen festgelegt, sondern ausschließlich auf Basis von Gesundheitsempfehlungen. Die Ernährungsempfehlungen beziehen sich ausschließlich auf gesundes Essen. Es handelt sich also nicht um die Ernährungsweise, die den Klimawandel bekämpft, sondern um die Ernährungsweise, die das Risiko vorzeitiger Sterblichkeit aufgrund ernährungsbedingter Gesundheitsursachen reduziert…

Original (englisch): „…the meat consumption limits proposed by the Commission were not set due to environmental considerations, but were solely in light of health recommendations. The dietary guidelines only refer to healthy eating. Thus is not the diet to reduce climate change, but the diet to reduce the risk of premature mortality due to dietary related health causes…"

2025 wurde der Report überarbeitet. Die Ernährungsempfehlungen haben sich nicht signifikant geändert, auch in der Berichterstattung wird er hauptsächlich mit dem Aspekt der “planetaren Gesundheit” geführt - aber jetzt hat es der folgende Satz in das Glossar des Reports selbst geschafft (Betonung von mir):

Die [Planetary Health Diet] basiert vollständig auf den direkten Auswirkungen verschiedener Ernährungsweisen auf die menschliche Gesundheit, nicht auf Umweltkriterien.

Original (englisch): „The [Planetary health diet] is based entirely on the direct effects of different diets on human health, not on environmental criteria."

Das heißt, dass der eine üblicherweise hervorgehobene Aspekt, die Gesundheit des Planeten, explizit kein Bestandteil des Reports ist, darin nicht untersucht wird. Anscheinend ist “planetary health” gemeint als “so sollte die Bevölkerung des Planeten essen, um gesund zu werden/bleiben”.

“Planetary” wäre eher als “global” denn als “planetar” zu übersetzen.

Bleibt also der Aspekt: Ist die EAT-Lancet-Planetary-Health-Diet denn tatsächlich gesund für die Menschen? Immerhin folgt im Glossar der folgende Satz auf das Zitat oben:

Der Name der Ernährungsweise entstand aus der Erkenntnis, dass ihre Verbreitung die Umweltauswirkungen und Nährstoffmängel der meisten aktuellen Ernährungsweisen reduzieren würde.

Original (englisch): „The diet’s name arose from the evidence suggesting that its adoption would reduce the environmental impacts and nutritional deficiencies of most current diets."

Schon nach der ersten Veröffentlichung gab es Antworten, die das in Frage gestellt haben. Aus dem Abstract von “The EAT-Lancet Commission’s Dietary Composition May Not Prevent Noncommunicable Disease Mortality"(3) (Betonungen wieder von mir):

…Der Report erfüllte keine Standards für Transparenz und Replizierbarkeit und berücksichtigte die statistische Unsicherheit nur unvollständig. Unser Versuch, die Sterberatenberechnungen für die Vereinigten Staaten zu replizieren, deckte Mängel in den Annahmen und Methoden zur Schätzung der vermiedenen Sterbefälle auf… Da unsere Ergebnisse die globalen Schlussfolgerungen des EAT-Lancet-Reports in Frage stellen, ist eine weitere unabhängige Validierung erforderlich, bevor er zur Grundlage von Ernährungsempfehlungen gemacht werden kann.

Zugegeben, das war eine Antwort auf die erste Version des Reports. Aber diese erste Version hat die größte Auswirkung gehabt - viele haben vom Update 2025 noch gar nichts mitbekommen. Außerdem ist das Update nicht besonders anders ausgefallen als die vorherige Version.

Darüber hinaus gab es viele weitere Anmerkungen zu vielen Aspekten, die ich aber in diesem Zusammenhang nur teilweise und abrundend aufführe, ohne gezielt darauf einzugehen:

  • Es wurden überwiegend epidemiologische Studien herangezogen (die üblicherweise nur dazu dienen können, Hypothesen zu erstellen, nicht aber Ursache/Wirkung-Beziehungen herzustellen)
  • Die Ernährung nach der vorgeschlagenen (verschriebenen) Weise stellt keine ausreichende Nährstoffversorgung bereit, sondern benötigt Supplementation (4)
  • Der Anspruch, für die globale Weltbevölkerung zu sprechen geht an der Lebenswirklichkeit vieler insbesondere im globalen Süden lebenden Menschen vorbei - auf vielen kargen Böden sind Tiere unverzichtbar, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen. Das geht hin bis zum Vorwurf des Neokolonialismus.

Der Anlass für diesen Artikel war der Widerspruch zwischen der medialen Berichterstattung und dem expliziten Umfang und Anspruch des Reports. Anscheinend ist den Urhebern des Reports nicht an einer Auflösung dieses Widerspruchs gelegen - zumindest habe ich außer dem einen Satz im Glossar kein Statement zur Berichterstattung gesehen.

Um die Gesundheit dieses Ansatzes kümmere ich mich an anderen Stellen.

Mehr über die deutschen Ernährungsrichtlinien

Abbild der Netzhaut
Schau mir in die Augen...

Ein Blick nach innen: Was ich nicht messen kann - und warum ich mich für nicht schlau genug für eine vegane Ernährung halte

Ein Hammer, der aussieht, als würde er gleich eine Glühbirne zerschlagen, daneben eine Kamera
Ernährungsratschläge als Werkzeugkasten

Warum ich den Werkzeugkasten der üblichen Ernährungsberatung für schlecht sortiert halte, und warum ein Hammer als Werkzeug eben nicht ausreicht…

Eine Pizza und eine Cola auf einem Tisch
Niemand will Dir Deine Pizza nehmen

Cola bestellen: normal. Butter statt Kartoffel bestellen: Rechtfertigungsdruck & Notrufnummer bereithalten. Wie die Weichspülung der Ernährungsrichtlinien zum gesellschaftlichen Konsens wurde.

Ein Brett mit diversem Gemüse und zwei Eiern
Wozu rät die DGE? Kapitel 2

Eine Sezierung der wissenschaftlichen Grundlagen der DGE-Richtlinien - denn obwohl ich sie ignoriere, will ich mir keine Wissenschaftsfeindlichkeit vorwerfen lassen.

Ein Brett mit diversem Gemüse und zwei Eiern
Wozu rät die DGE? Kapitel 1

Hintergründe der DGE-Ernährungsrichtlinien, wissenschaftliche Grundlagen und die Auswahl von Zielen und Lösungsräumen. Wie sind die Ratschläge gewichtet?

Ein Brett mit diversem Gemüse und zwei Eiern
DGE-Empfehlungen. Ein Widerspruch?

Warum die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung meinen komplett anderslautenden Erfahrungen nicht widersprechen

Tankanzeige, bei der der größte Teil die rot gekennzeichnete Reserve ausmacht
Der bevorzugte Treibstoff

Die Präferenzen des Körpers: Welchen Treibstoff verbrennt der Körper am liebsten? (Die Antwort wird Dich verblüffen 😉)

Zwei Füße auf einer digitalen Waage
"Auf das Gewicht achten"

Ein Rant: Warum ‘Auf das Gewicht achten’ als Ratschlag nicht weiterhilft

  1. The EAT–Lancet Commission on healthy, sustainable, and just food systems (2025)
  2. Frank Mitloehner 2019 EAT-Lancet’s Environmental Claims are an Epic Fail – and the Commission Knows It. Frank Mitloehner ist Professor and Air Quality Specialist in Cooperative Extension an der UC Davis, im Department “Animal Science”. Er ist Gründer und Direktor des CLEAR Center an der UC Davis, das sich primär auf die Erforschung des ökologischen Fußabdrucks der Nutztierhaltung (insbesondere Treibhausgasemissionen wie Methan und deren Auswirkungen auf die Luftqualität und das Klima) konzentriert.
  3. Francisco J Zagmutt, Jane G Pouzou, Solenne Costard, 2020 “The EAT-Lancet Commission’s Dietary Composition May Not Prevent Noncommunicable Disease Mortality” — Original (englisch): „…The report did not meet standards for transparency and replicability, nor did it fully account for statistical uncertainty. Our attempt to replicate the mortality calculations for the United States revealed flaws in the assumptions and methods used to estimate the avoided mortalities… As our findings call into question the global conclusions of the EAT-Lancet report, further independent validation is needed before it can be used to inform dietary guidelines."
  4. damit wäre dann der Gesundheitsanspruch aus dem Glossar (s.o.) nochmals in Frage gestellt