
Ist die Heilung von Krankheiten ein tragfähiges Geschäftsmodell?
In vielen Diskussionen über die gesundheitlichen (positiven) Folgen von ketogener Ernährung verlangen einige Menschen immer wieder den Beweis in Form von publizierten Studien und Forschungsergebnissen.
Häufig gibt es Anekdoten und Fallstudien - seltener wirklich große und randomisierte Studien. Das liegt zum Einen daran, dass Ernährung sehr schlecht blind randomisiert werden kann (außer bei Tieren, wenn man z.B. unterschiedliche Zusammensetzung von Trockenfutter testet). Zum Anderen ist das aber auch das Ergebnis aus den Gewinnmöglichkeiten: Ernährung ist - insbesondere wenn es um natürliche Lebensmittel und nicht um industriell erzeugte geht - nicht sehr lukrativ, und nicht in der Hand weniger großer Player.
Es mag klingen, als kämen wir hier in die Nähe von Verschwörungstheorien, aber da es gute Quellen gibt, kann man die “-theorien” gut streichen:
Goldman Sachs, 2018
Ist das Heilen von Patienten ein nachhaltiges Geschäftsmodell? (1)
In einem Bericht von 2018 analysierten die Analysten von Goldman Sachs die wirtschaftlichen Aussichten von revolutionären Gen-Therapien, die Krankheiten mit einer einzigen Behandlung dauerhaft heilen können (sogenannte “One-Shot Cures”). Sie schrieben dazu im Fließtext:
Das Potenzial, ‘Einmal-Heilungen’ zu liefern, ist einer der attraktivsten Aspekte der Gentherapie […]. Solche Behandlungen bieten jedoch eine ganz andere Perspektive hinsichtlich wiederkehrender Einnahmen im Vergleich zu chronischen Therapien… Während dieser Ansatz für Patienten und die Gesellschaft einen enormen Wert darstellt, könnte er eine erhebliche Herausforderung für Entwickler von Genmedizin darstellen, die einen nachhaltigen Cashflow anstreben. (2)
Fallbeispiel: Gilead Sciences
Goldman Sachs führt im Bericht ein konkretes historisches Beispiel an: Die Firma Gilead Sciences(3).
Gilead hatte ein Medikament (Sovaldi/Harvoni) entwickelt, das Hepatitis C mit einer Erfolgsquote von über 90 % dauerhaft heilte.
Aus der Sicht der PatientInnen: Eine Rettung, und Erlösung von ihrem Leid.
Aus der Sicht der Bank: Eine finanzielle Katastrophe: Im Jahr 2015 machten die Medikamente einen Umsatz von 12,5 Milliarden Dollar. Weil die Patienten danach aber gesund waren, schrumpfte der Markt rasant zusammen. Bis 2018 brachen die Umsätze auf unter 4 Milliarden Dollar ein.
Gilead hatte sich sprichwörtlich den eigenen Markt weg-geheilt.
Wenn Ernährung als Pille verschreibbar wäre
Forschung sowie vielversprechende praktische Erfahrungen zu und mit ketogener Ernährung gibt es aktuell in enorm viele Richtungen: Von den klassischen Zivilisationskrankheiten (z.B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Krebs, Entzündliche- und Autoimmunerkrankungen) bis hin zu psychischen Diagnosen (z.B. Depressionen, Bipolare Störungen, ADHS, Autismus): Sie alle bieten erstaunliche Ergebnisse, bis hin zur kompletten Remission, teilweise bei gleichzeitigem Verzicht auf Medikation(4).
Wie oben beschrieben steckt hinter einer Ernährungsumstellung kein großer Profit, sofern es nicht um industriell hergestellte künstliche Nahrungsmittel geht. Wir werden also auf absehbare Zeit keine Studien erwarten können, die auch nur in die Nähe der Größenordnungen von pharmazeutischen Studien kommen. Und auch das Marketingbudget der Pharmabranche werden wir aus der Sicht der Ernährungsumstellung, die natürliche Lebensmittel vorzieht, nicht erreichen.
Viele Menschen mit nichtansteckenden Krankheiten, die ich kenne, möchten gern selber Hand anlegen. Sie interessieren sich für Selbstwirksamkeit, dafür, was sie selbst tun können, um Linderung zu erfahren. Wer es einmal ausprobiert hat, ist schockiert, am eigenen Körper zu erfahren, welche Auswirkungen Ernährung auf die Gesundheit hat.
Am Ende ist das alles nicht verblüffend: Es ist allgemein bekannt, dass Ernährung einen wichtigen Anteil hat.
Ketogene Ernährung ist dabei aber selten im Gespräch - und nach allem, was ich gesehen habe, ist das übliche “Besser als der Standard” für viele Menschen nicht genug. Sie benötigen “Optimal”. Und um darauf kommen zu können, gehören - zumindest zum Ausprobieren und als Option - sowohl die ketogene als auch eine ballaststofffreie (ggf carnivore) Ernährung absolut in den Werkzeugkasten.
Das lohnt sich nicht für die Wirtschaft.
Für den und die Einzelne - wie bereits Goldman Sachs bemerkt - aber sehr wohl.