
Insulin, Kapitel 3
Auf dieser Website gibt es einen Insulin- und Blutzucker-Simulator. Dieser verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Essen, Blutzucker- und Insulinanstieg (und natürlich den späteren Abfall der Spiegel). Aber warum ist das Insulin dabei?
Ganz einfach: Hormon der Bauchspeicheldrüse, das Zellen signalisiert, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Zentrales Regulationshormon des Energiestoffwechsels. → mehr ist ein Hormon mit vielen Aufgaben und Wirkungen im Körper, und in jedem Kapitel schaue ich mir einige davon an.
Heute geht es um Diabetes Typ 2 (T2D) im Detail — den unangefochtenen Promi unter den Insulin-Erkrankungen. Fast jede(r) kennt ihn, aber kaum jemand versteht, wie er sich klammheimlich - aber klar sichtbar - anschleicht.
Die Diagnose
Interessanterweise kann man hier zwei verschiedene Wege einschlagen:
Die übliche Diagnose
Üblicherweise wird T2D über den Blutzucker diagnostiziert: Merkmale sind: Nüchtern-Blutzucker über dem Grenzwert und HbA1c (das ist der Blutzucker-Mittelwert der letzten ca 3 Monate) ist zu hoch. Da ich hier Prinzipien erkläre und keine Diagnosen gebe, beschränke ich mich auf “zu hoch” und nenne keine Grenzwerte.
In vielen Fällen geht der T2D Diagnose ein “Prädiabetes” vorweg. Die gleichen Werte sind erhöht, aber erreichen noch nicht den Schwellwert für T2D. Generell ein fließender Übergang - aber die Diagnose hängt am Erreichen eines bestimmten Limits: Montag noch “gesund”, aber am Dienstag den Schwellwert überschritten und krank. (1)
Zwei alternative, hilfreichere Diagnosen
Wie auf butterbei.de gewohnt, drehen wir das ganze mal auf links und schauen, wo das Problem eigentlich entsteht: Nicht beim Zucker, sondern beim Insulin.
Es ist informativer und hilfreicher, T2D nicht als “Hoher Blutzucker” zu beschreiben, sondern als Insulinresistenz anzusehen: Normalerweise sorgt der Körper für die Senkung des Blutzuckerspiegels durch Insulinausschüttung. Bei T2D sind die Körperzellen allerdings gegen das Insulin resistent geworden, so dass der Körper mehr und mehr Insulin ausschütten muss, damit das Signal noch ankommt.
Insulinresistenz kann man bedeutend früher diagnostizieren als erhöhten Blutzucker, denn der Körper kann über Jahre den Blutzucker durch mehr ausgeschüttetes Insulin in Schach halten.
Die zweite Sichtweise nach Insulinresistenz ist eine Kohlenhydratunverträglichkeit, die sehr viel besser die persönlich kontrollierbare Ursache beschreibt: Kohlenhydrate steigern den Blutzuckerspiegel, den der Körper nicht mehr korrekt abbauen kann.
Ursache(n) und die Risikofaktoren
Die Ursache ist also Insulinresistenz, das heißt: Ein über lange Zeit deutlich erhöhter Insulinspiegel. (Und die Ursache der Ursache ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel, der wiederum auf kohlenhydratreiche Nahrung zurückzuführen ist)
Es gibt eine Menge Risikofaktoren, die gerne mit T2D in Zusammenhang gebracht werden, darunter Übergewicht, Bluthochdruck und Bewegungsmangel.
Wie in vielen anderen Artikeln hier: Es hilft Ursache und Wirkung anders zu betrachten. Vergiss die klassische Idee, dass Übergewicht oder Bluthochdruck Ursachen von T2D sind. Husten ist auch keine Ursache von Erkältung, sondern geht damit einher:
Der Insulinspiegel schießt schon Jahre vor dem Blutzucker durch die Decke. Und mit ihm ein wichtiger Aspekt von Insulin: Es sorgt für Einlagerung von Fett in die Fettzellen, und wirft den Schlüssel weg: Das Fett ist eingesperrt, die Energie kommt nicht mehr im Muskel an. Das Ergebnis: Du wirst dick, weil die Hormone zur Fettspeicherung zwingen, und du fühlst dich schlapp, weil dir der Treibstoff fehlt. Bewegungsmangel ist keine Charakterschwäche, sondern die logische Folge eines bereits lange blockierten Stoffwechsels.
Bluthochdruck wird landläufig gern - neben Medikation - mit der Verringerung der Salzmenge behandelt. Nur ist Salz auch hier nicht die einzige Ursache, sondern ebenso das erhöhte Insulin, das dazu führt, dass die Nieren weniger Salz ausscheiden.
Ich lade also dazu ein, die “Risikofaktoren” bereits als erste Auswirkungen eines sich ankündigenden T2D zu betrachten. Es handelt sich bei all diesen Symptomen nicht um eigenständige verbundene Probleme des Körpers, sondern um erste Auswirkungen des erhöhten Insulins, meist über Jahre oder Jahrzehnte.
Übliche Behandlung
Üblicherweise wird T2D mit Metformin und Insulin-Injektionen behandelt. (Andere Optionen überspringe ich hier mal - wie alles auf der Site gibt es hier keine medizinische Information, sondern Prinzipien und Hilfestellungen zum Aufbau eines hilfreichen mentalen Modells)
Metformin sorgt für eine künstliche Senkung des Blutzuckerspiegels (Details spare ich mir jetzt mal, denn das eigentliche Problem ist ein anderes). Exogenes Insulin verstärkt das Signal, das das körpereigene Insulin versucht zu senden, aber auf das der Körper nicht mehr hört.
Und hier ist das Problem: Der Körper ist insulinresistent: Er kann das Signal des Insulins nicht mehr aufnehmen und produziert bereits eine so große Menge, dass er die Produktion nicht mehr erhöhen kann. Gleichzeitig sorgt der sehr hohe Insulinspiegel für die Speicherung von mehr Energie, und dafür, dass die Fettzellen sicher nicht mehr geleert werden können. Und dieser Insulinspiegel wird medikamentös noch weiter erhöht.
Nicht zu vergessen: Bei diesem künstlich erhöhten Insulinspiegel rät man den PatientInnen dazu abzunehmen. Was mit hohem Insulinspiegel unmöglich ist.
Das kann nur schiefgehen
"Auf das Gewicht achten"
Ein Rant: Warum ‘Auf das Gewicht achten’ als Ratschlag nicht weiterhilft
Weiterlesen →Chronisch, Progressiv? Remission?
T2D gilt landläufig als chronisch und progressiv. Allerdings gibt es inzwischen Studien und viele dokumentierte Fallberichte, die eine komplette Remission innerhalb kürzester Zeit (Monate) erreicht haben. Der Ansatz? Low-Carb oder gar ketogene Ernährung - der Verzicht auf Kohlenhydrate.
Wie geht das?
Durch Verzicht auf Kohlenhydrate steigt der Blutzuckerspiegel gar nicht erst an, so dass auch kein Insulin zur Senkung ausgeschüttet werden muss. Über Zeit sinkt so auch der erhöhte Insulinspiegel, der Körper stellt innerhalb von Tagen seine Energieversorgung auf Fett um.
Wie man hier sehen kann, ist es möglich, dass Ärzte - selbst wenn sie sich mit Ernährung auskennen - dieses Vorgehen entweder nicht kennen oder nicht mögen. Meine Auffassung dazu: Es ist möglich und zulässig einen Arzt von dem Vorhaben zu informieren und aufzufordern, dieses zu unterstützen.
Wichtig zu wissen ist also:
Die Metapher mit der Schwerhörigkeit funktioniert nur solange der Lebensstil beibehalten wird, und weiter viele Kohlenhydrate gegessen werden. Anders als die Ohren kann sich der Körper nach einer Weile der “metaphorischen Ruhe” (gemeint ist ein niedriger Blutzuckerspiegel) ohne Probleme wieder auf einen normalen Level des Insulins zurückbringen.
T2D ist nur dann chronisch und progressiv, wenn man den Lebensstil nicht ändert. Ebenso sind die Medikamente auf Dauer nur notwendig, wenn der Lebensstil unverändert beibehalten wird (3).
Für ÄrztInnen ist der Aufwand einer Low-Carb-Schulung nicht leistbar, das medizinische System ist nicht auf eine Ernährungsumstellung eingerichtet.
Für PatientInnen ist es allerdings möglich, sich zu informieren, und diesen Ansatz mit den ÄrztInnen zu besprechen. PatientInnen haben die Wahl - wenn sie davon wissen. Dieser Artikel mag ein Anfang und Motivation sein.
TL;DR
- T2D ist die sichtbare Spitze eines Eisbergs, dessen Unterwasserteile Insulinresistenz und Kohlenhydratunverträglichkeit heißen
- Früherkennung ist möglich — und deutlich angenehmer als die Spätfolgen (4)
- Die Ernährung ist das wirksamste Werkzeug, das PatientInnen zur Verfügung steht
- Falls Medikamente eingenommen werden, ist ärztliche Betreuung unbedingt geboten (5)






