
Food Noise
In letzter Zeit höre ich immer mehr, dass die populär gewordenen Abnehmspritzen vor allem “Food Noise” verringern, und es so einfacher machen, weniger zu essen.
Es geht auch anders
Interessanterweise ist Food Noise (von dem ich bis vor kurzem nicht wusste, was das ist) im Nachhinein eines der ersten Dinge, die aufgehört haben, als ich 2012 meinen Testmonat für ketogene Ernährung begonnen habe. Fun fact: Der Test-Monat läuft noch - ich hatte noch keinen Anlass ihn abzubrechen.
Während die ersten Tage der Umstellung durchaus ungewohnt und herausfordernd waren, waren es tatsächlich die innere Ruhe, Fokus, Klarheit und fehlender Hunger, die mich dazu gebracht haben, dabei zu bleiben.
Probleme von außen
Gerade das “Durchhalten” und der “soziale Aspekt” werden immer wieder als Argument gegen eine ketogene Ernährung genannt: “Leute halten das ja eh nicht durch”, “Man grenzt sich damit auch aus” etc.
Die fehlende Option
Besonders krass: Ärzte, die mit der Einstellung “das ist eh schwierig durchzuhalten” ihren PatientInnen die Option komplett verschweigen. Und das obwohl viele dankbar wären, selber etwas unternehmen zu können.
Kommt selbst bei Fachmedizinern der Ernährung vor.
Wirkung von Ketose
Tatsächlich empfinde ich es seitdem als absolut einfach, gelegentlich mal eine Mahlzeit auszulassen: Der Körper hat eine 5 oder 6-stellige Anzahl an Kilokalorien gespeichert, und wenn er weiß, wie man an das Fett kommt, gibt es schlicht keinen Bedarf schnell nachzutanken - das ist ein vollständig anderes Körpergefühl, das sich mit dem üblicherweise empfohlenen Glukosehaushalt nicht vergleichen lässt.
Der Körper hat genug Treibstoff an Bord
Was klassisch als “Tank”, verfügbarer Treibstoff, angesehen wird, hält ca. 2000 kcal - nicht mal einen Tagesvorrat - an Kohlenhydraten.
In der “Reserve”, dem Fett, schlummern dagegen gerne mal über 100.000 kcal.
Welches von beiden ist wohl der bevorzugte Treibstoff des Körpers?
Die oben angesprochenen “sozialen Probleme” sind nur solange welche, wie man sie sich selber macht. Ich vergleiche gerne das Überwinden der “Abhängigkeit” von Kohlenhydraten mit anderen Ernährungsumstellungen - es ist von der eigenen Konstitution abhängig: Nichts und niemand fordert bei einer Ernährungsumstellung den Wechsel des gesamten Freundeskreises, aber der Freundeskreis sollte die eigene Umstellung zumindest nicht torpedieren. Das gilt für die Umstellung auf vegetarische, vegane, histaminarme, glutenfreie und allergenbedingte Ernährung genau so wie es derzeit bereits für Alkoholabstinenz in der Regel akzeptiert wird.
Natürlich gibt es auch Probleme: Als trockener Alkoholiker würde ich nicht mehr den wöchentlichen Kneipenstammtisch besuchen, als Veganer im Steakhouse den Salat essen oder ggf die Einladung ganz ausschlagen, und mit Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa im veganen Restaurant nur ein Wasser trinken(1).
Nur Wasser im Restaurant? Wenn die Gruppe mitspielt (wie sie es bei Alkoholverzicht in der Regel macht) funktioniert das gut. Und in Ketose - versprochen - ist es kein Problem mit am Tisch zu sitzen und nichts zu essen. Man erfährt sehr schnell, dass Appetit und Hunger zwei völlig unterschiedliche Gefühle sind. Und damit kommen wir allmählich zurück zum Thema, “Food Noise”.
Selbst Hunger ist nicht eindeutig
Hunger (im Plural)
Wir tun immer so, als gäbe es nur eine Art von Hunger - tatsächlich sind es drei, und die Ernährungsrichtlinien reden hauptsächlich von Nummer Vier.
Weiterlesen →Meine Ergebnisse
Für mich besonders spannend: Ich selber habe damals nicht viel Gewicht abgenommen, aber meine Körperkomposition hat sich massiv verändert - zum Beispiel ist der Bauchumfang dramatisch zurückgegangen. Völlig ohne geänderte sportliche Anstrengungen.
Ich persönlich brauchte (zunächst) nicht mal die Motivation von nachlassenden Symptomen: Für mich hat der mentale Fokus, Klarheit und fehlender “Brain Fog” als Motivation gereicht. Gelegentlich habe ich mir noch mal ein Croissant gekauft - aber nachdem ich gemerkt habe, dass mir daraufhin für 1-2 Tage eben dieser Fokus fehlt, nur noch, wenn klar war, dass ich diese Tage keine besonderen geistigen Anstrengungen benötige. Der Tausch “2 Minuten Geschmack gegen 2 Tage Fokus” ist (für mich) ein Argument, das stark genug ist.
Das gilt erst recht, seit ich herausgefunden habe, dass erst ein Verzicht auf Ballaststoffe mir auch handfeste medizinische Vorteile bringt (2).
Wie der Verzicht auf Ballaststoffe mir geholfen hat
Ballaststoffe: Nötiger oder unnötiger Ballast? Ein Selbstexperiment
Die Literatur listet Ballaststoffe nicht als notwendig (’essenziell’), die Standardempfehlungen stellen sie aber als unverzichtbar dar. Ein Selbstversuch, mit verblüffendem Ausgang
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Es scheint, dass im Körper zirkulierende Ketone den “Food Noise” verlässlich abschalten, und - ganz nebenbei - eine Menge anderer Vorteile haben.
Daher stellt sich mir die Frage: Wenn das so einfach geht, warum sollte ich ein Produkt wählen, das ausschließlich Food Noise abschaltet, aber in der Packungsbeilage einen Haufen Risiken und bekannte Nebenwirkungen aufzählt?
Na gut, ich weiss: Veränderung von Gewohnheiten ist hart - Spritze verabreichen (lassen) ist kein Aufwand. Nicht zuletzt deshalb ist das wichtigste Kriterium bei der Aufstellung der deutschen Ernährungsrichtlinien die Beibehaltung von Ernährungsgewohnheiten 🙄.
Mir unverständlich: Die Priorisierung der Richtlinien
Die Entscheidung für oder gegen medizinische Unterstützung ist sowohl eine persönliche, als auch eine medizinische. Ich kann weder dazu raten, noch davon abraten, sondern lediglich meine eigene Position dazu wiedergeben.
Wie alles auf dieser Site mache ich das, weil in meiner Wahrnehmung diese zusätzliche Option, bei der es PatientInnen möglich ist, selber aktiv zu werden, oftmals überhaupt nicht ins Gespräch gebracht wird. Gründe dazu sind oben verlinkt.



