
Evolutionäre Assoziation Kapitel 3: Psychische Krisen
Wir schauen auf aktuelle Assoziationen und die Betrachtung psychischer Probleme als metabolisches Problem. Klingt weit hergeholt? Wird aber derzeit aktiv aus gutem Grund erforscht und erprobt. Was ich bisher gesehen habe, klingt sehr vielversprechend.
Die Ernährungsänderungen
Zusammensetzung der Fette
Wir betrachten hier nochmal die gleiche Ernährungsumstellung, wie in den vorherigen 2 Kapiteln: Die absolute Menge der Nahrungsfette hat seit dem Aufkommen der Ernährungsrichtlinien in den 1980er Jahren stark abgenommen, während sich ihre Zusammensetzung verschoben hat - insbesondere ist der Fettsäuren mit mehreren Doppelbindungen im Molekül - dadurch chemisch reaktiver als gesättigte Fettsäuren. In der Regel (aber nicht nur) Pflanzenöle. Omega-3 und 6 fallen in diese Kategorie. → mehr-Anteil stark gestiegen.
Saatenöle sind seit Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr für die menschliche Ernährung verwendet worden - davor waren nur wenige Öle verbreitet, und diese räumlich sehr eingeschränkt. Darunter das Olivenöl, das eher einem Fruchtsaft als einem Saatenöl ähnelt. Die früheren Haupt-Nahrungsfette waren tierischer Natur, und mit dem Aufkommen der Saatenöle hat sich das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 PUFA dramatisch zugunsten von Omega-6 geändert.
Makro-Nährstoff-Balance
Gleichzeitig mit den Ernährungsrichtlinien kam auch eine regelrechte Fett-Phobie auf: “Low Fat” war die Devise, und noch heute raten viele Ernährungsrichtlinien zum Bezug des Haupt-Treibstoffs aus Kohlenhydraten - üblicherweise zu mehr als 50% der Kalorienaufnahme. (Was das mit dem Insulinspiegel macht, lässt sich gut nebenan im Simulator beobachten.)
Logisch: Wenn Fett begrenzt wird, muss die Energie aus einer anderen Quelle kommen. Da Protein auf der einen Seite teuer, und auf der anderen Seite nicht gut so radikal überzukonsumieren ist, wie es nötig wäre um das Fett zu ersetzen, kann die Wahl nur auf Kohlenhydrate fallen. Weiß man dann noch um den handfesten und nachgewiesenen Fall von Korruption(1), der Zucker und Kohlenhydrate als unproblematisch, sowie Fett und Cholesterin als problematisch dargestellt hat, ergibt sich die Umstellung der Energiezufuhr automatisch.
Das Phänomen
Es gibt eine geradezu epidemische Ausbreitung von psychischen Problemen - leider lässt sich diese statistisch nicht gut erfassen, da die Kriterien sich über die letzten Jahrzehnte immer wieder geändert haben, und auch die gesellschaftliche Betrachtung psychischer Krankheiten sich massiv verändert hat: Von institutionalisierten “Irrenanstalten” Mitte des letzten Jahrhunderts zu ambulanten, teils medikamentösen Behandlungen heutzutage. Nichtsdestotrotz gibt es einige Diagnosen, nicht zuletzt zum Beispiel die stationär behandelten psychischen Fälle in Deutschland, die ich als Beispiel heranziehe.
Diese Daten liegen für Deutschland erst seit einer Änderung des Erfassungsschlüssels 2003 vor - frühere Daten lassen sich nicht gut vergleichen. Da wir es in dieser Serie aber eher mit Assoziationen zu tun haben, will ich nicht allzu streng auf diese Zahlen achten, sondern eher qualitative Beobachtungen schildern.
Die Biochemische Assoziation
In diesem Fall habe ich zwei grundverschiedene Assoziationen anzubieten - eine zu den PUFA und eine zu den Kohlenhydraten. Es stellt sich heraus: So unterschiedlich beide sind, sie zeigen in dieselbe Richtung.
PUFA, Omega-3 und Omega-6
Mit Saatenölen hat sich das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren massiv zugunsten von Omega-6 verschoben.
Omega-6 Fette helfen dem Körper Entzündungen auszulösen. Dafür sind sie zwar wichtig (und Essenzielle Nährstoffe sind solche, die der Körper unbedingt benötigt, nicht selbst herstellen kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss – Vitamine, essentielle Aminosäuren und Fettsäuren. → mehr), aber nicht in dem Ausmaß, wie sie in der aktuellen Ernährung vorkommen.
Omega-3 Fette helfen dem Körper Entzündungen einzudämmen. Im Vergleich zu Omega-6 Fetten sind sie in der heutigen Ernährung massiv unterrepräsentiert - dieses Ungleichgewicht ist, was wir hier besonders betrachten werden.
Ein weiterer Aspekt: Die besonders beliebten Saatenöle, reich an PUFA, sind reaktiv: An allen ungesättigten Positionen im Molekül der Fettsäure können sie relativ einfach oxidieren. Wärme (besonders Hitze, z.B. beim Kochen), lange Lagerung, UV-Licht (klare Flaschen, Lagerung vor dem Fenster) unterstützen den Oxidationsprozess. Das Ergebnis ist ein Öl, das sehr leicht ranzig wird. Ganz zu schweigen von anderen Reaktionen, bei denen sogar Transfette entstehen können, die im ursprünglichen Öl gar nicht vorhanden waren.
Besonders zu diesem Aspekt lassen sich einige Studien finden, die das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren untersucht und durch Omega-3-Gabe manipuliert haben. Wir haben es hier also mit seltenen Interventionsstudien in der Ernährungswissenschaft zu tun, nicht nur mit Beobachtungen und Ernährungsfragebögen:
Eine Studie aus 2002 (2) untersuchte Nahrungsergänzung im Jugendgefängnis Aylesbury, und fand (Placebo-kontrolliert) heraus, dass die Supplementation mit zusätzlichen Nährstoffen, darunter Omega-3 Fette, zu einem Rückgang der Disziplinarvergehen um etwa 26% und der Gewaltdelikte um etwa 37% führte.
Die Ergebnisse wurden 2010 in den Niederlanden repliziert (3).
Aufmerksam Lesende werden gemerkt haben, dass ich oben “zusätzliche Nährstoffe” geschrieben habe, das heißt: Nicht nur Omega-3. Eine Meta-Analyse von 2024(4) macht den Zusammenhang aber plausibel. Außerdem zeigt sich darin, dass länderübergreifend der Fisch/Omega-3 Konsum negativ mit der Mordrate korreliert - allerdings wiederum nur assoziativ mit verschiedenen einfließenden Faktoren.
Kohlenhydrate
Metabolic Mind hat diverse Berichte, Forschung und Fallberichte über die Stabilisierung, Verbesserung und Remission von vielen psychischen Erkrankungen durch Stoffwechselzustand, in dem auf Fett statt auf Zucker (Glukose) als Treibstoff zugegriffen wird. Gekennzeichnet durch einen messbaren Anteil an Ketonkörpern im Blut. → mehr Ernährung gesammelt, publiziert diese und treibt die Medizin in diesem Bereich an. Besonders interessant sind die Fälle, in denen bereits als (medikamentös) behandlungsresistent diagnostizierte Störungen durch simple Ernährungsumstellung stabilisiert, deutlich verbessert oder in Remission gebracht werden konnten.
Die schrittweise Entdeckung von mehr und mehr Diagnosen, die scheinbar metabolisch verursacht werden, erinnert an die Wiederentdeckung der Behandlung von epileptischen Störungen durch ketogene Ernährung, wie sie von der Charlie-Foundation dokumentiert wird. Diese hat inzwischen ihren Schwerpunkt deutlich ausgeweitet, und war damit bereits einer der betrachteten Fakten in einem früheren Artikel.
Fazit
Mehr und mehr Diagnosen stellen sich inzwischen als (zumindest teilweise) ernährungsbedingt heraus, oder ihre Behandlung kann durch eine passende Ernährung unterstützt werden.
Das schränkt die eh schon limitierte Zielgruppe für die Ernährungsrichtlinien der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Überwiegend öffentlich finanzierte NGO, staatlich beauftragte Ernährungsinstanz, “gesunde Menschen”, weiter ein, und gibt derart betroffenen Menschen “richtlinienkonforme"(5) Möglichkeiten an die Hand, außerhalb von verschreibungspflichtigen Medikamenten ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.
Zwar gibt es keinen Grund zur Annahme, dass Ernährung ein Allheilmittel ist, oder dass man auf Anhieb die “korrekte” Art der Ernährung findet. Schließlich steht diese entgegen jeglichen Richtlinien - widerspricht ihnen häufig fundamental. Aber immer mehr Selbsthilfegruppen, wie auch professionelle Hilfe sind verfügbar und können bei solchen Selbstexperimenten unterstützen.
Und wer sich dann noch die Unterstützung der Familie sichern kann, hat auf jeden Fall eine gute Startposition.
Warum sollte man diese vielversprechende Option freiwillig auslassen? Um sie zu nutzen, muss man aber erstmal davon wissen - und das ist, was butterbei.de leisten möchte.











