
Ernährungsratschläge als Werkzeugkasten
Ernährung kann krank- und auch gesund machen. Das ist hoffentlich keine kontroverse Position.
Für bestimmte Konditionen sind sogar Ernährungsrichtlinien üblich, ratsam und erprobt, die weit von den üblichen Ratschlägen abweichen. Beispielsweise hat in vielen Fällen die ketogene Ernährung einen ausgesprochen positiven Effekt auf Epilepsie, besser als alle bekannten Medikamente oder medizinische Prozeduren.
Für nahezu alle anderen gilt allerdings überwiegend eine Richtung: Es gibt genau eine Geschmacksrichtung von Ernährungsrichtlinien, und wenn Du gesund werden (oder bleiben) möchtest, hilft nur eines: Mehr vom Gleichen.
In einem anderen Artikel habe ich bereits erklärt, dass die Ernährungsrichtlinien der DGE ausschließlich für gesunde Menschen in einer bestimmten Altersgruppe mit einer bestimmten Ernährungsweise gemacht sind - nichtsdestotrotz werden diese Richtlinien mehr oder weniger auf alle ernährungsbedingten Situationen bezogen. Und das obwohl sie explizit nicht für Kranke gedacht sind.
Wir erinnern uns: Zu nur 30% geht es der DGE mit ihren Ernährungsrichtlinien um die (unspezifizierte) Reduktion von Krankheitslast - nie um deren Minimierung oder Elimination, oder gar um Gesundheit.
Dabei gibt es eine Menge alternativer Ernährungsansätze, die aber oft nicht mal ins Gespräch gebracht werden, zum Beispiel, weil Patienten das Durchhaltevermögen abgesprochen wird, weil die Optionen unbekannt sind, oder weil sie nicht in den Behandlungsstandards stehen - auch wenn viele andere sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben.
Handwerk
Ich vergleiche das sehr gern mit einem Werkzeugkasten, der mit einer Menge Werkzeuge ausgestattet ist - die meisten aber originalverpackt und ungenutzt, nur der Hammer wird regelmäßig benutzt. Passenderweise ist der Hammer ein Werkzeug, das eigentlich immer einen Effekt hat (1)
Nun ist es im Handwerk üblich, dass man sich vor einer Reparatur genau anschaut, was defekt ist - und dann das passende Werkzeug nach der zu erledigenden Aufgabe auswählt. Kein Handwerker würde nur mit einem Hammer zum Kunden fahren.
Maslow (et al)
Das Prinzip dahinter ist tatsächlich unter einem eigenen Namen allgemein bekannt, als Law of the Instrument (auch “Maslows Hammer”) (2):
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel
Echte Alternativen, andere Werkzeuge
Aber es gibt Organisationen, die gemerkt haben, dass es in vielen Fällen geeignetere Werkzeuge als den Hammer gibt, und die entsprechende Studien oder Fallstudien publizieren. Insbesondere die ketogene Ernährung wurde inzwischen für sehr viele weitere Krankheiten und Symptome erfolgreich eingesetzt. Und es gibt kaum eine Ernährungsform, die weiter von den aktuellen Richtlinien entfernt ist.
Es ist kein Wunder, dass eine solche Forschung mit geringem finanziellen Aufwand gemacht wird: In der Ernährung steckt kein großer Umsatz, der mit Medikamenten gemacht werden kann. Die Studiengrößen werden sich also selten mit denen von Medikamenten messen lassen.
Aber wir sehen allein an den eindrucksvollen Listen, die eine Menge der weit verbreiteten nichtansteckenden “Zivilisationskrankheiten” umfassen, dass es durchaus vielversprechende Ansätze gibt, für die es sich lohnt andere Werkzeuge - zumindest probeweise - in die Hand zu nehmen.
Egal ob gesund oder krank: Jeder Mensch muss essen. Ich halte es für wichtig, PatientInnen darüber zu informieren, dass andere sich bereits mit einer deutlichen Ernährungsumstellung helfen konnten - wer die Beispiele dieser beiden Organisationen kennt, weiß, dass es dabei nicht nur um Linderung von Symptomen geht, sondern um Symptomfreiheit, bei Erkrankungen, die herkömmlich als chronisch und progressiv, teilweise auch therapieresistent gelten.
Ob die PatientInnen es dann durchhalten oder nicht, bleibt ihnen überlassen. Ich nehme an, dass die Aussicht auf medikamenten- und symptomfreies (!) Leben dem einen oder der anderen durchaus zumindest einen Versuch wert ist.
Fazit:
Es stellt sich raus: Das Problem ist bei weitem nicht immer nur ein Nagel. In Abwandlung von Maslow und den anderen kolportierten Urhebern des Law of the Instrument:
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sollte sicherstellen, dass das Problem kein Daumen ist
















