
Der bevorzugte Treibstoff
Mal wieder ein Punkt, bei dem die Umkehr der klassischen Gedanken hilfreicher ist als die übliche Erzählung. Wir stellen das ganze unter die Frage “Welchen Treibstoff verbrennt der Körper eigentlich am liebsten?”
Die übliche Botschaft
Gerade in einer Ernährungsdokumentation (1) gehört:
Beim Kohlenhydratstoffwechsel nutzt der Körper Glukose, den wichtigsten Energielieferanten. Überschüssige Glukose speichert er auch als Fett ein. Fehlt Glukose schaltet der Körper auf Fettstoffwechsel und zapft die Fettreserven an, damit unsere Zellen weiterarbeiten können
Und in der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Überwiegend öffentlich finanzierte NGO, staatlich beauftragte Ernährungsinstanz Leitlinie Fett (2) wird der Fettstoffwechsel (Stoffwechselzustand, in dem auf Fett statt auf Zucker (Glukose) als Treibstoff zugegriffen wird. Gekennzeichnet durch einen messbaren Anteil an Ketonkörpern im Blut. → mehr) als Entgleisung bezeichnet:
Gleichzeitig müssen Fettzufuhr und Prävention der Adipositas dabei Biomarker der Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und von Stoffwechselentgleisungen (z. B. Ketonkörper) beobachtet werden.
Beantwortet das schon die Frage?
Beide Statements klingen, als ob der Körper zuerst Kohlenhydrate verbrennt, und erst dann Fett. Das stimmt auch, erweckt aber leicht den Eindruck, dass Kohlenhydrate bevorzugt werden, und daher eher wieder aufgefüllt werden müssen, damit man nicht in den Not-Modus, die “Entgleisung” kommt.
Ich komme mal wieder mit einer Umkehr von Ursache und Wirkung: Zur Illustration meiner umgekehrten Ansicht nehme ich mal einen weiteren Treibstoff dazu, den man normalerweise nicht betrachtet: Alkohol.
Alkohol ist ein Gift für den Körper. Er kann auch verbrannt werden (Alkohol ist nicht kalorienfrei). Wenn Alkohol vorliegt, wird dieser bevorzugt verstoffwechselt. Allerdings natürlich nicht, weil der Körper dieses Gift bevorzugt, sondern weil der Giftstoff so schnellstmöglich abgebaut werden muss.
Erst danach kümmert sich der Körper dann wieder mit voller Kraft um die Kohlenhydrate. Und auch diese sind - ganz wie der Alkohol - nicht ungefährlich für den Körper: Einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel kennen wir als Diabetes (wobei es auch dazu noch andere Betrachtungsweisen gibt - dazu aber in einem späteren Artikel), und er ist nicht gesund. Je mehr Zucker verfügbar ist, desto mehr AGEs können sich im Körper bilden.
Erst wenn der Zuckerspiegel gering genug ist, dass er keinen großen Schaden mehr anrichten kann, nutzt der Körper Fett. Zucker ist also nicht der bevorzugte Treibstoff, sondern der, der (im Überfluss) mehr Schaden anrichtet.
Die Antwort
Der bevorzugte Treibstoff für nahezu alle Zellen unseres Körpers (3) ist Fett. Der Körper bevorzugt es halt nur, Gifte abzubauen, bevor er sich wieder dem Standardbetrieb widmet.
Beispiel: Eine sehr schlanke Person mit 80kg Körpergewicht und 10% Körperfett hat 8kg Fett, also ca 56000 kcal (4) gespeichert. Als Kohlenhydrate werden ca 2000 kcal gespeichert. Eine solch geringe Menge ist schwerlich ein Argument für einen gewissen Vorzug…

Es hilft überhaupt nicht, wenn man übergewichtigen Personen die ganze Zeit den Eindruck vermittelt, dass Fettverbrennung ein Notbetrieb des Körpers ist: Es ist der Normalfall, der aber bei übermäßigem Kohlenhydrat-Verzehr und ständigem Snacken selten erreichbar ist.
Probier’ es gleich nebenan im Simulator aus.
Aber die Fachleute sagen…
Zum Abschluss komme ich nochmal auf das DGE-Zitat von oben zurück, denn es ist schon ein starkes Stück als Ernährungs-Nerd eine Fachgesellschaft anzuzweifeln…
Das einzige, was ich mir hier vorstellen kann ist, dass jemand “Ketose” (einen normalen Stoffwechselzustand in dem hauptsächlich Fett verbrannt wird) mit Stoffwechselzustand, in dem sowohl sehr hoher Blutzucker- als auch sehr hoher Ketonspiegel gleichzeitig auftreten. Typischerweise bei Typ 1 Diabetes, nicht zu verwechseln mit Ketose. → mehr verwechselt hat, was man tatsächlich als Entgleisung des Stoffwechsels bezeichnen könnte.
Wäre Ketose eine Entgleisung, würde ich inzwischen seit knapp 14 Jahren mit einem entgleisten Stoffwechsel leben - in dem Fall würde mich interessieren, wann die nachteiligen Auswirkungen typischerweise einsetzen.










