
Ballaststoffe und gesättigte Fette
Noch sowas, was ich in den klassischen Ernährungsrichtlinien nicht verstehe:
- Unverdauliche Kohlenhydrate. Typischerweise unterschieden in lösliche und unlösliche. Landläufigen 'unverzichtbar', aber weder in der Literatur noch nach meinen Erfahrungen 'essenziell'. Es gibt aber Gelegenheiten, bei denen sie vorteilhaft sein können. → mehr == gut
- Fettsäuren ohne reaktiven Molekülbestandteil - normalerweise fest bei Raumtemperatur. Üblicherweise tierische Fette. → mehr == schlecht
Die Empfehlung lautet: Iss Ballaststoffe, damit deine Darmbakterien daraus Fettsäuren mit weniger als 6 Kohlenstoffatomen, im Gegensatz zu mittel- und langkettigen Fettsäuren → mehr wie Butyrat (Buttersäure), Acetat (Essigsäure) und Propionat herstellen können.
Was denn nun?
Nun sind diese kurzkettigen Fettsäuren chemisch gesehen zu 100 % gesättigte Fette, von denen ja andererseits immer abgeraten wird.
Die Ironie: Der Körper schätzt diese Fette so sehr, dass die Zellen der Darmwand (Kolonozyten) etwa 60–70 % ihrer Energie direkt aus Butyrat gewinnen (*).
Der Mensch ist also physiologisch darauf ausgelegt, mit gesättigten Fettsäuren zu laufen. Der Umweg über die Ballaststoffe ist im Grunde nur eine Methode, um gesättigtes Fett “von innen” zu produzieren.
Butyrat? Buttersäure? Das klingt doch wie…
Butyrat kommt in der Natur am konzentriertesten in Butterfett vor (daher auch der Name Buttersäure). Wer Butter isst, nimmt das fertige Endprodukt auf, das die Bakterien sonst mühsam aus Ballaststoffen bauen müssten. Vorausgesetzt, man hat die dafür notwendigen Bakterienstämme in ausreichender Anzahl an Bord.
Wer seinen Körper in der Fettverbrennungszone und Stoffwechselzustand, in dem auf Fett statt auf Zucker (Glukose) als Treibstoff zugegriffen wird. Gekennzeichnet durch einen messbaren Anteil an Ketonkörpern im Blut. → mehr hält, produziert zusätzlich Ketonkörper - darunter β-Hydroxybuttersäure. Und Ketose ist etwas, das die klassischen Richtlinien so gar nicht mögen. Sie wird durch den Standard-Rat “Beziehe mehr als 50% der Energie aus Kohlenhydraten” sehr effektiv verhindert.
Nun werden BiochemikerInnen einwenden: “Moment! Kurzkettige Fette aus dem Darm verhalten sich im Blutkreislauf ganz anders als langkettige Fette aus dem Steak! Und das Butyrat aus der Butter wird im Dünndarm absorbiert, bevor es den Dickdarm erreicht.”
Das stimmt. Physiologisch gibt es Unterschiede im Transportweg. Aber das ändert nichts an der fundamentalen, evolutionären Ironie: Ausgerechnet die Fettsäure-Familie, die der Körper an unserer wichtigsten Barriere - der Darmwand - als absolute Premium-Energiequelle nutzt, um Entzündungen zu hemmen, ist chemisch zu 100 % gesättigt. Wenn diese molekulare Struktur per se ein Herz- und Zellgift wäre, ergäbe dieses System keinen Sinn.
Was mir bisher noch niemand erklären konnte: Warum feiert man Butyrat aus Fasern als “antientzündlich”, stuft Butyrat aus Butter als “herzgefährdend” ein, und verteufelt Butyrat aus Ketose?





