
Ballaststoffe gegen Verstopfung?
Es fühlt sich ja immer so an, als würde man mit einer ketogenen Ernährung gegen die wissenschaftlichen Ergebnisse handeln - und wer dann noch die Ballaststoffe minimiert, kann sich auf unausweichliche apokalyptische Folgen einstellen: Schließlich wissen wir, dass Ballaststoffe unerlässlich sind, um Verstopfung vorzubeugen, oder sie gar zu behandeln.
Wissen wir das wirklich?
An anderen Stellen hier habe ich schon weitere Argumente gegen Ballaststoffe gesammelt. Zum einen sind sie nirgendwo in der Literatur als Essenzielle Nährstoffe sind solche, die der Körper unbedingt benötigt, nicht selbst herstellen kann und daher über die Nahrung aufnehmen muss – Vitamine, essentielle Aminosäuren und Fettsäuren. → mehr geführt, und zum anderen sind es nicht mal Nährstoffe. Ich halte den deutschen Namen “Ballast” tatsächlich für gut gewählt - der englische Name “fiber” ist zwar deskriptiver, aber neutraler.
Meine eigene Erfahrung mit der weitgehenden Elimination von Ballaststoffen hat mir exemplarisch/anekdotisch gezeigt, dass nichts Schlimmes passiert.
Und selbst die Wissenschaft gibt dem Recht. Ich brauche meine persönlichen Anekdoten gar nicht als wackliges Argument vorzuschieben, es gibt (mindestens) eine handfeste prospektive Studie (1), die die Behandlung von Verstopfung durch Verringerung oder Elimination von Ballaststoffen untersucht hat.
Das Ergebnis: Die Behandlung wirkt, und wirft auch die methodische Frage auf, warum es bei Verstopfung vorteilhaft sein sollte, noch mehr Volumen durch den verstopften Darm zu leiten.
Ist das die einzige Studie?
Natürlich nicht. Statt hier aber mehr aufzuführen, empfehle ich ein Reaction-Video: 26 Minuten, in denen Pro- und Contra-Ballaststoff-Argumente aufgeführt werden, mit Verweis auf viele weitere Studien - zu Ballaststoffen und ketogener Ernährung
TL;DR? Bemerkenswerte Zitate aus dieser Studie
Kurze greifbare Zitate:
Patients who stopped or reduced dietary fiber had significant improvement in their symptoms while those who continued on a high fiber diet had no change
und
CONCLUSION: Idiopathic constipation and its associated symptoms can be effectively reduced by stopping or even lowering the intake of dietary fiber.
Es ist schwierig, sich aus der “Discussion” Sektion einen einzelnen Absatz herauszusuchen - die gesamte Sektion ist sehr gut formuliert und zitierwürdig. Ich greife mal eine plakative Metapher heraus:
The role of dietary fiber in constipation is analogous to cars in traffic congestion. The only way to alleviate slow traffic would be to decrease the number of cars and to evacuate the remaining cars quickly. Should we add more cars, the congestion would only be worsened. Similarly, in patients with idiopathic constipation and a colon packed with feces, reduction in dietary fiber would reduce fecal bulk and volume and make evacuation of the smaller and thinner feces easier. Adding dietary fiber would only add to the bulk and volume and thus make evacuation even more difficult.
Meine eigenen Erfahrungen sind damit auch wissenschaftlich bestätigt - ich bin gar kein so ungewöhnliches Einhorn.
Wer also das nächste Mal vor einer trägen Verdauung steht, sollte vielleicht lieber den Fuß vom (Vollkorn-)Gas nehmen, anstatt noch mehr Fahrzeuge auf die blockierte Kreuzung zu jagen.
Ich gehe mal Steak braten - ganz ohne Beilagen-Stau.



